Das Geheimnis der schwebenden Brause
Erstellt mit Federflausen
Kapitel 1
Ganz hinten hinter dem Stadtpark, wo die Weidenbäume ihre lange grünen Haare hängen ließen, entdeckten Felix und Mia etwas Wundersames. Es war eine alte, völlig zugewachsene Limonadenfabrik. Efeu kletterte über die roten Backsteine, und das eiserne Tor war fest verschlossen.
„Schau mal, Mia!“, rief Felix und zeigte auf ein funkelndes Messingschild. „Hier steht: Nur alle hundert Jahre!“
Plötzlich begann der Boden ganz leise zu summen. Ein tiefes, witziges Tröten erklang aus den alten Dächern. Die verrosteten Kupferrohre erwachten zum Leben! Sie bogen sich wie kleine Schlangen und fingen an, mit hohem, lustigem Trällern Opernlieder zu singen. Die hölzernen Flügeltüren sprangen weit auf und ein Duft von frischer Zitrone und Erdbeere strömte den Kindern entgegen.
Mia lachte auf und klatschte in die Hände. „Felix, heute ist der Tag der schwebenden Brause! Die Fabrik erwacht für genau vierundzwanzig Stunden zum Zauberleben!“
Mutig fasste Felix Mias Hand, und gemeinsam traten sie durch das Tor in die glitzernde Halle.
Kapitel 2
Was für ein bunter Wirbelwind! Die alten Fließbänder der Fabrik sausten nicht mehr langsam im Kreis. Sie hatten sich in riesige, geschwungene Rutschen verwandelt, die quer durch den Raum führten.
Schimmernde Seifenblasen schwebten durch die Luft. Und auf diesen Blasen saßen winzige, wollige Geschöpfe mit großen Kulleraugen. Sie hatten weiches, buntes Fell und kicherte ununterbrochen.
„Das sind Kicher-Staubhasen!“, rief Mia begeistert, als ein kleiner blauer Staubhase direkt vor ihrer Nase auf einer Riesenseifenblase vorbeischwebte und ihr ein fröhliches Pusten entgegensetzte.
Felix hüpfte auf das nächste Fließband und sauste mit einem lauten „Huiii!“ nach unten. Mia folgte ihm dicht auf den Fersen. Sie wirbelten um Kurven, vorbei an blubbernden Kesseln voller Orangenlimo.
Die Kicher-Staubhasen flogen in Scharen hinterher und warfen kleine Glitzerfunken in die Luft. Jeder Winkel der Halle strahlte vor Freude und Buntstifttönen.
Kapitel 3
Am Ende der Rutsche landeten Felix und Mia sanft auf einem Haufen aus weicher Wolle. Vor ihnen stand ein ganz besonderes Wesen. Es war ein mechanischer Roboter-Dachs mit glänzendem Silberfell, vielen kleinen Zahnrädern am Rücken und einem goldene Monokel auf dem rechten Auge.
„Schnauf! Puff! Willkommen!“, rief der Dachs und verneigte sich so tief, dass ein winziges Zahnrad von seiner Nase purzelte. „Ich bin Sir Schnauf, der Hüter der Brause!“
Doch dann schaute er ganz betrübt. „Oh je, schnauf! Ich bin so schrecklich zerstreut! Ich habe den goldenen Haupt-Brause-Knopf im riesigen Wackelpudding-Labyrinth versteckt. Wenn dieser Knopf nicht innerhalb der vierundzwanzig Stunden gedrückt wird, verliert dieser wundervolle Ort seine Magie für immer!“
Die Kicher-Staubhasen ließen erschrocken ihre Seifenblasen platzen. Felix klopfte Sir Schnauf auf die blecherne Schulter. „Keine Sorge! Mia und ich helfen dir!“
Kapitel 4
Der Weg zum Wackelpudding-Labyrinth führte durch die große Nasch-Halle. Doch der Boden war verschwunden! Stattdessen lagen dort riesige, rosafarbene und weiße Marshmallow-Kissen, die wie kleine Trampoline auf und ab hüpften.
„Wir müssen hinüberhüpfen!“, sagte Mia mutig. Sie nahm Anlauf und sprang auf das erste Kissen. *Wuppdich!* Das Kissen schleuderte sie sanft weiter nach oben.
Felix lachte laut und sprang hinterher. Manchmal kamen ihnen dicke Marshmallows von oben entgegengepurzelt. Felix duckte sich geschickt unter einem Himbeer-Kissen hinweg, während Mia lachend über einen Vanille-Puff hinwegsetzte.
Die Kicher-Staubhasen feuerten die beiden von oben an und machten kleine Purzelbäume in der Luft. Mit einem letzten, besonders hohen Satz landeten Felix und Mia sicher auf der anderen Seite des Raumes.
„Geschafft!“, rief Felix glücklich und klatschte mit Mia ab.
Kapitel 5
Vor den Kindern tat sich eine Wendeltreppe auf, die hoch hinaus zu den Dächern der Fabrik führte. Doch als Felix die erste Stufe betrat, begann die Treppe plötzlich leise zu glucksen.
*Kitzel-kitzel-kitzel!* Die Stufen bestanden aus weichem Gummi und fingen sofort an, unter den Schuhsohlen zu wackeln und sanft zu kitzeln!
Mia konnte sich vor Lachen kaum halten, als sie die Treppe hinaufstieg. „Hihi, das kitzelt ja wie verrückt!“, rief sie und hielt sich am Geländer fest, das wie eine lange Süßholzstange aussah.
Felix wiegte sich im Takt des Kitzelns von links nach rechts. „Festhalten, Mia! Wir schaffen das!“, rufen er zwischen zwei Lachern.
Schritt für Schritt, Stufe für Stufe kämpften sie sich lachend nach oben. Ob wohl die Treppe selbst so viel Spaß hatte wie die beiden? Schließlich erreichten sie schnaufend, aber glücklich das obere Podest.
Kapitel 6
Oben angekommen standen sie vor dem riesigen Wackelpudding-Labyrinth. Der Eingang war von einer dicken Wand aus rotem Wackelpudding versperrt. Daneben wartete bereits Sir Schnauf, der sein Monokel zurechtrückte.
„Um den Eingang zu öffnen, müsst ihr mein schwerstes Brause-Rätsel lösen!“, sagte der Dachs wichtig und hielt eine Papierrolle hoch. „Hört gut zu: Was perlt golden, schmeckt nach Sonnenschein und macht dich schlauer, je mehr du gluckst?“
Felix dachte scharf nach. Mia blickte auf die blubbernden Zitronenbrause-Flaschen an der Wand.
„Ich weiß es!“, rief Felix voller Freude. „Es ist die feine Zitronenbrause!“
Sir Schnauf klatschte begeistert in seine Blechpfoten. *Kling-klang!* Das Rätsel war gelöst. Die rote Wackelpudding-Wand teilte sich knirschend wie ein Vorhang und gab den Weg in das wackelnde Labyrinth frei.
Kapitel 7
Die Zeit drängte! Nur noch fünf Minuten blieben übrig, bevor die vierundzwanzig Stunden abliefen. Felix und Mia rannten durch die wackeligen Gänge aus Erdbeer-, Zitronen- und Waldmeister-Pudding.
In der Mitte des Labyrinths sahen sie ihn endlich: Der goldene Haupt-Brause-Knopf glänzte tief unten in einer riesigen Schüssel voller wackelndem Erdbeer-Pudding!
„Wir kommen sonst nicht heran!“, rief Felix aufgeregt.
Mia zögerte nicht eine Sekunde. „Lass das meine Sorge sein!“ Sie nahm Anlauf, rief laut „Hoppla!“ und machte einen wagemutigen Bauchklatscher mitten in den roten Erdbeer-Pudding!
*WUBBEL-SCHLABBER-SPLASH!*
Der Pudding federt Mia sanft ab. Mit ausgestreckter Hand traf sie punktgenau den goldenen Knopf und drückte ihn fest hinein. Ein goldenes Licht erstrahlte durch das gesamte Labyrinth!
Kapitel 8
In demselben Augenblick geschah etwas Wundervolles. Aus allen Schornsteinen und Rohren der Limonadenfabrik schossen bunte Limo-Fontänen in den Himmel! Sie tanzten im Takt der fröhlichen Musik, die die Kupferrohre spielten.
Die Kicher-Staubhasen veranstalten ein riesiges Fest, warfen Konfetti und flogen auf ihren Seifenblasen umher. Sir Schnauf tanzte einen kleinen Robotertanz und jubelte laut.
Punktgenau nach vierundzwanzig Stunden klang die Musik langsam aus. Die Tore schlossen sich sanft, und die Fabrik versank wieder in ihren friedlichen Dornröschenschlaf.
Felix und Mia traten auf den kleinen Pfad hinter dem Stadtpark hinaus. Die Sonne ging gerade unter und tauchte alles in ein warmes Gold.
Mia strich sich über die Nase. „Du hast da Erdbeer-Pudding, Felix!“, lachte sie.
Felix grinste und sah das kleine rosa Pünktchen auf Mias Nase. Hand in Hand machten sie sich auf den Heimweg – überglücklich und mit dem schönsten Geheimnis der ganzen Welt im Herzen.
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